In den Medien ist es meist eine große Sache, wenn Premiummarken langsam, aber unaufhaltsam an Relevanz in ihrem Segment verlieren. Doch wenn es so weit kommt, liegt es meist nicht an abrupten Fehlentscheidungen, sondern an einer Reihe schleichender Anpassungen, die in ihrer Summe das Markenerlebnis verändert haben.
Premium ist kein isoliertes Merkmal von Produkt oder Kommunikation, sondern das Ergebnis einer konsequenten Unternehmensführung, die sich in jedem Detail widerspiegelt. Genau hier liegt die Herausforderung. Statt den Anspruch an Perfektion in allen Bereichen zu verankern, wird Premium oft als Aufgabe einzelner Fachabteilungen betrachtet. Doch wenn diese nicht mit derselben Konsequenz geführt werden, entsteht eine Lücke zwischen Markenversprechen und Realität.
Diese Lücke bleibt nicht unbemerkt. Kunden erwarten eine durchgehend hohe Premium-Erfahrung und merken schnell, wenn eine Marke nicht mehr das hält, was sie einmal ausgezeichnet hat. Denn Premiummarken sind mehr als nur Produkte. Sie sind ein Versprechen, das an jeder Stelle spürbar sein muss. Kunden erwarten Perfektion und ein Markenerlebnis, das sich in allen Aspekten von anderen Anbietern unterscheidet. Sie zahlen nicht nur für hochwertige Materialien oder exzellente Verarbeitung, sondern für ein Gesamterlebnis, das an jedem Kontaktpunkt überzeugen muss.
Service, Qualität und Kommunikation sind die entscheidenden Elemente, die diesen Anspruch tragen. Sobald eine dieser Säulen nicht mehr stabil ist, verliert die Marke an Glaubwürdigkeit. Wer Premiumpreise verlangt, muss sicherstellen, dass jede Interaktion mit der Marke diesen hohen Standard jederzeit und überall erfüllt. Während Massenmarken durch Rabatte, unzählige Vertriebskanäle und schnelle Trendwechsel flexibel agieren, müssen Premiummarken stets langfristig denken. Beständigkeit, Verlässlichkeit und konsequente Markenführung sind entscheidend. Wer diesen Anspruch aufgibt, setzt die eigene Positionierung aufs Spiel. Kunden reagieren empfindlich, wenn eine Marke ihre Standards aufweicht, und treffen ihre zukünftigen Kaufentscheidungen entsprechend.
Drei zentrale Fehler sorgen immer wieder dafür, dass selbst etablierte Premiummarken an Differenzierung verlieren:
1. Die Illusion vom makellosen Kundenservice
Exklusivität entsteht nicht allein durch überlegene Produkte, sondern durch ein Gesamterlebnis, das an jedem Kontaktpunkt überzeugt. Service ist dabei der entscheidende Faktor, der eine Premiummarke von gewöhnlichen Anbietern abhebt. Ein außergewöhnliches Produkt verliert an Strahlkraft, wenn die Betreuung nicht dem gleichen Anspruch folgt.
Lücken im Service untergraben massiv die Glaubwürdigkeit der Marke. Fehlende Erreichbarkeit, lange Reaktionszeiten oder standardisierte Antworten stehen im direkten Widerspruch zu den Erwartungen im Premiumsegment. Wer bereit ist, deutlich mehr für ein Produkt oder eine Dienstleistung zu investieren, erwartet nicht nur Effizienz, sondern eine proaktive, persönliche und lösungsorientierte Betreuung. Während Massenmarken auf Automatisierung und Self-Service setzen, ist für Premiummarken der direkte, individuelle Dialog unerlässlich. Wer hohe Preise verlangt, kann es sich nicht leisten, Kunden in Warteschleifen oder Chatbots zu vertrösten.
Besonders kritisch wird es, wenn das Serviceerlebnis inkonsistent ist. Viele Premiummarken investieren in aufwendig gestaltete Geschäfte, edle Verpackungen und emotionale Markenkommunikation, vernachlässigen aber den Service nach dem Kauf. Die Kundenreise endet jedoch nicht mit dem Kauf. Statt „Fire-and-Forget“ ist es entscheidend, ob sich Kunden auch nach dem Kauf als Teil einer exklusiven Marke wahrnehmen. In vielen Fällen bricht die Servicequalität genau hier ein: Während der Kaufprozess makellos inszeniert ist, zeigen sich Defizite bei Reklamationen, Sonderwünschen oder Supportanfragen. Lange Wartezeiten, unflexible Abläufe oder mangelnde Kulanz lassen die vermeintliche Exklusivität bröckeln.
Noch gravierender ist es, wenn Premiummarken versuchen, ihre Serviceprozesse an die Standards des Massenmarkts anzupassen. Zentralisierte Callcenter, generische Antworten oder automatisierte Prozesse können Kosten senken, stehen jedoch in direktem Widerspruch zum Premiumanspruch. Kunden erwarten schnelle, kompetente Lösungen ohne Umwege. Ein Problem, das sich mit minimalem Aufwand klären ließe, eskaliert durch ineffiziente Strukturen zu einem Frustrationsmoment. Die Folge: Enttäuschung über die Marke und die Erkenntnis, dass der Preis nicht durch überlegene Betreuung gerechtfertigt wird.
Service ist nicht nur eine Funktion, sondern ein zentrales Unterscheidungsmerkmal. Wer sich für eine Premiummarke entscheidet, erwartet mehr als nur ein herausragendes Produkt. Die emotionale Bindung entsteht durch das Gesamtpaket – durch die Art und Weise, wie eine Marke mit ihren Kunden interagiert. Sobald diese Interaktion nicht mehr den hohen Erwartungen entspricht, stellt sich die grundlegende Frage: Warum eine Premiummarke wählen, wenn der Service nicht besser ist als bei einem Standardanbieter?
Das psychologische Momentum einer unzureichenden Betreuung hat direkte Auswirkungen auf die Kundenbindung. Während Massenmarken durch Rabatte oder Promotions temporäre Kaufanreize schaffen können, steht eine Premiummarke vor einer anderen Realität. Enttäuschte Kunden kehren nicht nur der Marke den Rücken, sondern tun dies oft bewusst und endgültig. Und sie tun es auch oft laut: Negative Serviceerlebnisse verbreiten sich deutlich schneller als positive, insbesondere in einem Umfeld, in dem persönliche Empfehlungen eine zentrale Rolle spielen. Schlechter Service ist kein isoliertes Problem, sondern ein strategisches Risiko, das langfristig die Markenwahrnehmung untergräbt.
Diese Dynamik wird durch die Digitalisierung verstärkt. Während negatives Feedback früher meist auf den persönlichen Bekanntenkreis beschränkt blieb, breiten sich heute schlechte Erfahrungen über soziale Medien, Bewertungsplattformen und Foren in kürzester Zeit aus. Selbst ein Einzelfall kann durch digitale Multiplikation zum systemischen Reputationsproblem werden. Während Premiummarken erhebliche Budgets in Markenkampagnen investieren, unterschätzen viele, wie stark sich ein mangelhafter Service auf die Wahrnehmung auswirkt. Bewertungen, Beschwerden und Erfahrungsberichte sind oft wirkungsvoller als jede noch so aufwendig inszenierte Werbebotschaft.
Ein häufiger Trugschluss ist auch die Annahme, dass eine etablierte Marke von ihrer Vergangenheit leben kann. Einige Unternehmen verlassen sich auf ihre Tradition und den bekannten Markennamen, während sie den direkten Kundenkontakt vernachlässigen. Doch selbst die renommiertesten Anbieter haben bereits erlebt, wie schnell jahrzehntelang aufgebaute Markenloyalität durch mangelhaften Service erodieren kann. Premiumkunden sind nicht nur preissensibel, sondern auch besonders aufmerksam gegenüber Veränderungen in Beratung und Service.
Gefährlich wird es, wenn sich Serviceverschlechterungen schleichend vollziehen. Interne Prozesse werden über Jahre hinweg optimiert, Supportstrukturen zentralisiert, kulante Lösungen durch starre Richtlinien ersetzt. Während dies betriebswirtschaftlich sinnvoll erscheinen mag, bleibt es für langjährige Kunden nicht unbemerkt. Was früher selbstverständlich war, wird plötzlich als Sonderleistung verkauft, Anfragen dauern länger, persönliche Ansprechpartner verschwinden. Solche Entwicklungen mögen aus Unternehmenssicht effizient sein, doch sie verändern das Markenerlebnis – und das in eine Richtung, die den Premiumstatus gefährdet.
Eine Premiummarke kann es sich nicht leisten, Service als Randthema zu betrachten. Exklusivität entsteht nicht allein durch ein Produkt, sondern durch nahtlose Betreuung, die den Premiumanspruch konsequent widerspiegelt. Wer hier spart oder falsche Maßstäbe setzt, verliert nicht nur einzelne Kunden, sondern riskiert den langfristigen Markenkern. Erwartungshaltungen in diesem Segment sind nicht verhandelbar – und wer sie enttäuscht, verliert weit mehr als nur einen einzelnen Produktverkauf.
2. Der schleichende Verlust bewährter Qualität
Premiummarken definieren sich über ihre Fähigkeit, in jeder Hinsicht überlegene Produkte zu liefern. Qualität ist das Fundament, auf dem Exklusivität und Preismacht beruhen. Kunden, die sich bewusst für eine Premiummarke entscheiden, erwarten mehr als nur hochwertige Materialien oder eine präzise Verarbeitung. Sie erwarten Beständigkeit, Innovation und ein makelloses Nutzungserlebnis, das sich spürbar von der Masse abhebt. Qualität ist im Premiumsegment nicht nur eine Frage der Haltbarkeit, sondern umfasst haptische, visuelle und funktionale Perfektion. Sobald eine Marke diesen Anspruch nicht mehr konsequent erfüllt oder Kompromisse eingeht, beginnt ein schleichender Vertrauensverlust, der langfristig den Markenwert beschädigt.
Eine der größten Gefahren für Premiummarken ist die schrittweise Absenkung der Qualitätsstandards. Oft geschieht dies nicht abrupt, sondern als Reaktion auf wirtschaftlichen Druck oder den Wunsch, Margen zu optimieren. Unternehmen reduzieren Kosten in der Annahme, dass ihre Kunden die Veränderungen nicht unmittelbar bemerken. Materialien werden angepasst, Produktionsprozesse effizienter gestaltet oder Zulieferer gewechselt. Anfangs mag der Unterschied gering erscheinen, doch langfristig führt eine solche Strategie dazu, dass das Produkt nicht mehr das gleiche Erlebnis bietet. Stammkunden, die über Jahre hinweg eine verlässliche Qualität gewohnt sind, erkennen diese Veränderungen sofort und fühlen sich in ihrer Markentreue enttäuscht.
Besonders riskant ist es, wenn eine Premiummarke darauf vertraut, dass ihr Image ausreicht, um Qualitätsschwächen auszugleichen. Eine starke Marke kann über Jahre hinweg für Exklusivität und Wertigkeit stehen, doch wenn die Produktqualität nicht mehr überzeugt, löst sich diese Wahrnehmung langsam auf. Hochpreisige Produkte werden nicht nur aus Statusgründen gekauft, sondern weil Kunden davon ausgehen, dass sie objektiv überlegen sind. Sobald dieser Mehrwert schwindet, gerät die Marke in eine kritische Position. Konsumenten hinterfragen, warum sie eine hohe Summe investieren sollten, wenn sie anderswo bessere Qualität erhalten.
Ein weiteres Problem entsteht, wenn die Produktionsqualität nicht konsistent bleibt. Während eine Marke weiterhin auf hochwertige Materialien setzt, können Schwankungen in der Verarbeitung auftreten. Ein Produkt erfüllt alle Erwartungen, ein anderes aus derselben Serie weist unerwartete Mängel auf. Solche Unregelmäßigkeiten sind im Premiumsegment inakzeptabel. Kunden erwarten, dass ein Produkt unabhängig vom Kaufzeitpunkt, vom Produktionsstandort oder von der Modellgeneration stets dieselbe Exzellenz bietet. Sobald sich qualitative Unterschiede bemerkbar machen, entstehen Unsicherheit und Enttäuschung. Schon eine einzige negative Erfahrung kann dazu führen, dass sich die Kunden schon vor der nächsten Kaufentscheidung gegen die Marke entscheiden.
Neben exzellenter Verarbeitung und hochwertigen Materialien spielt auch Innovationskraft eine zentrale Rolle für die Qualität einer Premiummarke. Wer sich für ein Premiumprodukt entscheidet, erwartet nicht nur Beständigkeit, sondern auch kontinuierliche Weiterentwicklung. Es geht nicht nur darum, Erwartungen zu erfüllen, sondern sie idealerweise zu übertreffen. Innovation bedeutet in diesem Kontext nicht zwangsläufig technologische Revolutionen, sondern die konsequente Perfektionierung bestehender Standards. Eine Automobilmarke, die über Jahre hinweg nur geringfügige Verbesserungen vornimmt, läuft Gefahr, als träge wahrgenommen zu werden. Eine Mode- oder Uhrenmarke, die keine neuen Maßstäbe setzt, verliert an Relevanz. Qualität ist nicht allein eine Frage der Verarbeitung, sondern auch eine Frage der kontinuierlichen Weiterentwicklung.
Viele Premiummarken unterschätzen, wie sensibel ihre Kunden auf qualitative Veränderungen reagieren. In Zeiten digitaler Transparenz bleiben Abstriche an der Qualität nicht lange unbemerkt. Während Unternehmen früher darauf hoffen konnten, dass vereinzelte negative Erfahrungen keinen breiten Einfluss auf die Markenwahrnehmung haben, verbreiten sich heute Berichte über Verarbeitungsmängel, Materialänderungen oder Produktionsfehler innerhalb kürzester Zeit. Soziale Medien, Online-Foren, Rezensions-Features und Bewertungsplattformen machen jede noch so kleine Schwäche sichtbar. Ein einzelnes Qualitätsproblem kann sich dadurch schnell zu einem nachhaltigen Imageschaden entwickeln – auch nach innen in Richtung Belegschaft.
Die Herausforderung für Premiummarken besteht darin, wirtschaftliche Effizienz mit kompromissloser Qualität zu verbinden. Selbstverständlich stehen auch Premiumanbieter unter Kostendruck, doch sie müssen vorsichtiger agieren als Massenhersteller. Kurzfristiges Denken führt in diesem Segment unweigerlich zu langfristigen Verlusten. Jede Einsparung, die zulasten der Qualität geht, wird früher oder später zum Risiko. Auch in angespannten Zeiten sind Kunden in diesem Segment bereit, hohe Preise zu zahlen, aber nur, wenn sie einen echten Gegenwert erhalten. Sobald Zweifel an der Qualität aufkommen, verliert der Preis seine Legitimation.
Ein weiteres Problem liegt in der zunehmenden Standardisierung vieler Produktionsprozesse. Während Premiummarken früher durch handwerkliche Perfektion und besonders aufwendige Fertigung überzeugten, setzen viele heute auf Rationalisierung und Automatisierung. Effizienzsteigerungen sind wirtschaftlich sinnvoll, dürfen jedoch niemals auf Kosten der Detailgenauigkeit oder Individualität gehen. Eine Uhr, die früher von Hand mit höchster Präzision gefertigt wurde, verliert an Exklusivität, wenn sie nun in industriellen Prozessen hergestellt wird. Eine Ledertasche, die durch traditionelle Handwerkskunst bestach, wird austauschbar, sobald sie in standardisierten Abläufen produziert wird.
Hinzu kommt die Herausforderung globalisierter Lieferketten. Viele Premiummarken beziehen ihre Materialien und Komponenten aus verschiedenen Regionen, wodurch die Kontrolle über die Qualität erschwert wird. Während eine Marke früher sämtliche Produktionsschritte unter eigener Aufsicht hatte, sind heute oft zahlreiche Zulieferer involviert. Dies führt dazu, dass Qualitätsschwankungen nicht frühzeitig erkannt werden. Eine kleine Abweichung in der Materialauswahl oder Verarbeitung kann sich massiv auf das Endprodukt auswirken. Wenn solche Veränderungen dann noch durch fehlende Transparenz in der Kommunikation kaschiert werden, schwindet das Vertrauen der Kunden endgültig.
Qualität im Premiumsegment ist kein statischer Zustand, sondern ein kontinuierliches Versprechen. Ein einmal etablierter Standard reicht nicht aus – er muss permanent überprüft und weiterentwickelt werden. Kunden von Premiummarken sind anspruchsvoll und vergleichen nicht nur mit Wettbewerbern, sondern auch mit den früheren Produkten derselben Marke. Sobald ein neues Modell schlechter verarbeitet ist als sein Vorgänger, fällt das sofort auf. Wer Premium kauft, zahlt für Konsistenz. Wenn diese nicht gewährleistet wird, verliert die Marke ihre Glaubwürdigkeit.
Ein schleichender Qualitätsverlust ist eine der größten Bedrohungen für Premiummarken. Während Vertriebsstrategien oder Preismodelle angepasst werden können, ist verlorenes Vertrauen in die Qualität kaum wiederherstellbar. Gerade Stammkunden, die über Jahre hinweg mit einer Marke verbunden sind, reagieren besonders sensibel auf Veränderungen. Sie sind es, die Empfehlungen aussprechen, potenzielle Käufer beeinflussen oder vor einer Marke warnen.
Eine Premiummarke kann es sich absolut nicht leisten, an Qualität zu sparen oder ausschließlich auf ihr Renommee zu vertrauen. Exklusivität entsteht durch Perfektion in jedem Detail – von der Materialwahl über die Verarbeitung bis hin zur langfristigen Haltbarkeit. Kunden erwarten nicht nur, dass ein Premiumprodukt heute überzeugt, sondern auch, dass es morgen noch denselben Wert besitzt. Wer diesen Anspruch aufgibt, verliert nicht nur Marktanteile, sondern seine Existenzberechtigung.
3. Die Verwässerung der Markenkommunikation
Premiummarken leben von ihrer klaren, konsistenten und differenzierenden Kommunikation. Während Massenmarken oft auf laute, kurzfristige Werbebotschaften setzen, müssen Premiummarken eine subtilere, aber umso wirkungsvollere Sprache sprechen. Die Kommunikation ist nicht nur ein Mittel zum Zweck, sondern ein integraler Bestandteil des Markenerlebnisses. Sie schafft Begehrlichkeit, vermittelt Werte und rechtfertigt den hohen Preis. Sobald die Kommunikation einer Premiummarke beliebig, inkonsistent oder unauthentisch wird, verliert sie ihre Strahlkraft und damit ihre Fähigkeit, sich vom Wettbewerb abzuheben.
Ein häufiger Fehler ist die Anpassung an die Kommunikationsstrategien des Massenmarkts. In dem Versuch, eine breitere Zielgruppe zu erreichen oder kurzfristige Verkaufszahlen zu steigern, übernehmen viele Premiummarken die Taktiken von Standardanbietern. Rabattaktionen, aggressive Werbebotschaften oder eine übermäßige Präsenz auf allen denkbaren Kanälen mögen kurzfristig für Aufmerksamkeit sorgen, untergraben aber langfristig die Exklusivität der Marke. Premium bedeutet auch, nicht für jeden erreichbar zu sein. Eine Marke, die ständig mit Sonderangeboten wirbt, verliert ihre preisliche Glaubwürdigkeit und wird als austauschbar wahrgenommen. Kunden fragen sich, warum sie den vollen Preis zahlen sollten, wenn es ohnehin bald wieder eine Rabattaktion gibt.
Ein weiteres Problem ist die Inkonsistenz in der Markenbotschaft. Premiummarken müssen eine klare, wiedererkennbare Identität haben, die sich in jeder Kommunikationsmaßnahme widerspiegelt. Wenn die Botschaften je nach Kanal, Region oder Kampagne variieren, entsteht ein fragmentiertes und unklares Markenbild. Eine Marke, die in einem Kanal auf Exklusivität und Handwerkskunst setzt, in einem anderen aber auf schnelle Trends und niedrige Preise, wirkt unglaubwürdig. Kunden wissen nicht mehr, wofür die Marke eigentlich steht, und verlieren das Vertrauen. Konsistenz ist im Premiumsegment kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit. Sie schafft Verlässlichkeit und sorgt dafür, dass die Marke über Jahre hinweg eine klare Positionierung behält.
Besonders gefährlich ist es, wenn Premiummarken versuchen, jeden Trend mitzumachen. In der schnelllebigen Welt der sozialen Medien und des digitalen Marketings ist die Versuchung groß, auf jeden Hype aufzuspringen. Doch Premiummarken sollten Trends nicht blind folgen, sondern sie setzen oder bewusst ignorieren. Eine Marke, die ihre Identität ständig an kurzfristige Moden anpasst, verliert ihre zeitlose Eleganz und wirkt beliebig. Kunden von Premiummarken suchen nicht nach dem neuesten kurzlebigen Trend, sondern nach beständigen Werten und einer klaren Haltung. Eine Marke, die heute so und morgen anders kommuniziert, verliert ihre Authentizität und damit ihre Anziehungskraft.
Ein weiterer Fehler ist die Vernachlässigung der emotionalen Komponente in der Kommunikation. Premiummarken verkaufen nicht nur Produkte, sondern auch Träume, Status und ein bestimmtes Lebensgefühl. Die Kommunikation muss diese emotionalen Aspekte transportieren und eine Geschichte erzählen, die über die reinen Produkteigenschaften hinausgeht. Eine rein rationale, faktenbasierte Kommunikation mag informativ sein, schafft aber keine emotionale Bindung. Kunden müssen das Gefühl haben, Teil einer besonderen Welt zu sein, wenn sie sich für eine Premiummarke entscheiden. Die Kommunikation muss diese Welt erlebbar machen – durch hochwertige Bilder, eine anspruchsvolle Sprache und eine konsistente Ästhetik.
Viele Premiummarken machen auch den Fehler, ihre Kommunikation zu sehr auf das Produkt zu fokussieren und die Marke dahinter zu vernachlässigen. Natürlich sind die Produkteigenschaften wichtig, aber im Premiumsegment geht es um mehr. Es geht um die Geschichte der Marke, ihre Werte, ihre Handwerkskunst und die Menschen dahinter. Eine Kommunikation, die nur über technische Details oder Materialien spricht, verpasst die Chance, eine tiefere emotionale Verbindung aufzubauen. Kunden wollen wissen, warum eine Marke besonders ist, nicht nur, was sie kann. Die Kommunikation muss diese „Warum“-Frage beantworten und die Einzigartigkeit der Marke erlebbar machen.
Schließlich ist auch die Wahl der Kommunikationskanäle entscheidend. Premiummarken müssen nicht überall präsent sein, sondern dort, wo ihre Zielgruppe ist. Eine unüberlegte Präsenz auf allen denkbaren Plattformen kann die Exklusivität der Marke verwässern. Es geht nicht darum, möglichst viele Menschen zu erreichen, sondern die richtigen. Eine sorgfältige Auswahl der Kanäle und eine auf den jeweiligen Kanal zugeschnittene Kommunikation sind entscheidend. Eine Marke, die auf einer Plattform für junge, trendbewusste Zielgruppen genauso kommuniziert wie in einem exklusiven Printmagazin, wirkt unauthentisch und verliert an Glaubwürdigkeit.
Die Kommunikation einer Premiummarke ist ein sensibles Instrument, das mit großer Sorgfalt eingesetzt werden muss. Jede Botschaft, jedes Bild und jeder Kanal muss den hohen Anspruch der Marke widerspiegeln. Wer hier Kompromisse eingeht, riskiert, das über Jahre aufgebaute Markenimage zu beschädigen. Premiumkommunikation ist keine Frage des Budgets, sondern der Konsequenz. Sie muss exklusiv, konsistent, authentisch und emotional sein. Nur dann kann sie ihre wichtigste Aufgabe erfüllen: die Einzigartigkeit der Marke erlebbar zu machen und den hohen Preis zu rechtfertigen.
Fazit
Der Verlust der Premium-Positionierung ist selten das Ergebnis einer einzigen Fehlentscheidung. Vielmehr ist es ein schleichender Prozess, der durch eine Reihe von Kompromissen in den Bereichen Service, Qualität und Kommunikation eingeleitet wird. Jeder dieser Fehler für sich mag unbedeutend erscheinen, doch in ihrer Summe führen sie zu einer Erosion des Markenwerts, die nur schwer umkehrbar ist.
Premiummarken stehen vor der ständigen Herausforderung, ihre Exklusivität zu bewahren und gleichzeitig wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Dies erfordert eine konsequente Führung, die den Premiumanspruch in allen Unternehmensbereichen verankert. Es geht nicht darum, einzelne Aspekte zu optimieren, sondern ein ganzheitliches Markenerlebnis zu schaffen, das an jedem Kontaktpunkt überzeugt.
Die drei beschriebenen Fehler – mangelhafter Service, nachlassende Qualität und verwässerte Kommunikation – sind die häufigsten Ursachen für den Niedergang von Premiummarken. Sie zeigen, wie schnell eine über Jahre aufgebaute Positionierung ins Wanken geraten kann, wenn die grundlegenden Prinzipien der Markenführung vernachlässigt werden.
Für Führungskräfte von Premiummarken bedeutet dies, wachsam zu bleiben und keine Kompromisse einzugehen, die den Markenkern gefährden. Premium ist kein Zustand, den man einmal erreicht hat, sondern ein Anspruch, den man sich jeden Tag neu verdienen muss. Nur wer diesen Anspruch konsequent lebt, wird langfristig erfolgreich sein und seine Marke vor der schleichenden Erosion schützen können.